Gamsfuss – entschleunigt

Tja, mit der Entschleunigung ist da so eine Sache. Manchmal ist sie gewollt, um der geplagten Seele etwas Freilauf zu gönnen und manchmal ist sie auch ungewollt.

Heute war bei uns zuerst zweiteres der Fall. Der Plan war von Baad auf das Grünhorn zu steigen, allerdings versperrte uns ein großes rot-weißes Schild mit höchst offiziellem Anstrich den Weg ins Dura-Tal und plärrte uns “Hier ist gesperrt wegen Lawinengefahr, verzieht Euch oder das kostet 2000€ wenns erwischt werdet” an. Wir standen weitere 5 Minuten vor dem Schild und erörterten, ob man den Kontext auch irgendwie anders interpretieren kann… konnte man aber irgendwie nicht so direkt. Also überlegten wir, was man mit Ski und Schuh an den Füßen sonst noch so für Optionen hat und entschieden uns für den Gamsfuss, welcher gleich ums Eck liegt. Wir entschleunigten uns abermals, denn auch zum Eingang des Bärgunt-Tales stand so ein verf….es Schild. Moritz klärte die Lage, in dem er meinte:”Das ist mir jetzt egal!” Und wir trabten ins Bärgunt-Tal. An der Abzweigung Panorama-Weg und Winterweg zur Bärgunt-Alpe stand noch so ein Schild, allerdings wies es nur den Panorama-Weg explizit als gesperrt aus – na also, da ist doch der erhoffte Spielraum. Weiter gings also auf dem Winterweg, welcher bisher nur die Spuren eines einzelnen Wanderers von gestern aufwies. Ab der Hütte mussten wir dann selber spuren.

Hier traf uns die Entschleunigung erneut und wir wurden sie so schnell nicht wieder los. Der Schnee war immer noch tiefer als vermutet und wir hatten eigentlich gedacht, dass wir an einer fremden Spur lutschen könnten, aber nixda. Der LLB sprach von einer Einsinktiefe von 25-50cm, welche man unterschreiben könnte.

je steiler es wurde, umso tiefer auch die Einsinktiefe… 


Nun ja, irgendwann hatten wir uns mit dem Umstand abgefunden und ackerten langsam aufwärts. Die Betonung liegt auf langsam. Für 600hm benötigten wir dann fast 3,5h  Hat man sich damit jedoch erst einmal abgefunden, kann man auch einfach mal die Gedanken fliegen lassen und sich der schönen Umgebung widmen, in der man immer wieder Anreize für neue Projekte fand.



böse Geister würden sagen, die Pausen waren die Zeit zwischen dem Abkotzen, aber da hört sich so unschön an, bleiben wir lieber bei Entschleunigung und Kontemplation.

Stück für Stück schraubten wir uns durch den Wald nach oben

bis die Flächen weiter und baumloser wurden, allerdings wurde der Schnee auch noch mal tiefer… 

zum Gipfel bzw dem Gamsfuss, einem Rücken unterhalb des Gamskopf waren es noch pimaldaumen 200hm. Allerdings hätten wir dafür einen steilen Hang queren und aufsteigen müssen und es waren die ersten Zeichen von Windeinfluss zu sehen. Da es gestern noch eine 4 hatte und heute eine 3 blieben wir mal auf der defensiven Seite und entschieden und dafür auf einem vorgelagerten Hügel Gipfelrast zu machen. Wir bauten uns ein Bänklein und genossen die grandiose Aussicht auf den großen Widderstein


jetzt konnte man die Entschleunigung endlich genießen auch wenn man 3,5h für läppische 600hm benötigt hat. Es hatte trotzdem alles irgendwie einen Sinn.

die Abfahrt war dann ähnlich entschleunigt und unspektakulär! Der Schnee war zu tief und das Gelände zu flach. Die meiste Zeit schoben wir einfach einen Haufen Schnee vor uns her. Ein paar Turns konnte man trotzdem setzen…



Aber da wir mittlerweile mental so dermaßen entschleunigt und ausgeglichen waren, war auch das wurscht.

Zu unserer großen Überraschung hatte die Bärgunt-Alpe mittlerweile die Türen geöffnet und es waren auch reichlich Leute, die draußen in der Sonne lagen. So konnte es uns auch nicht aus der Ruhe bringen, dass wir von jedem zweiten gefragt wurden, “ob da oben Lawinen sind?”.  Man grinst und lächelt… wie die Asiaten…

da wir heute ein gutes Karma hatten, war der Winterweg mittlerweile geräumt und wir konnten problemlos bis Baad abfahren. Wir hatten uns schon ausgemalt, den ganzen Weg wieder rauslaufen zu müssen.

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