Rifugio Saoeso

Das Rifugio Saoseo befindet sich am Bernina-Pass in Graubünden ziemlich nah zur italienischen Grenze. Nachdem ich am Donnerstag Abend noch einige Hütten und Hospize in der Ecke angerufen hatte, aber alle nur wegen Überfüllung abgewunken haben, war das Rifugio Saoseo die letzte Hoffnung und siehe da, sie hatten noch locker zwei Plätze frei. http://www.saoseo.ch/de/die-huette

Die Anreise am Freitag verlief unspektakulär, außer dass wir kurz den Bernina-Pass mit dem San Bernadino Pass verwechselten, aber klingt ja auch alles so ähnlich. Den Zielort Sfazu hätten wir auch fast übersehen, besteht er doch primär aus zwei Häusern. 

Nach dem der Parkplatz gefunden und die Rucksäcke gepackt waren, begaben wir uns auf den Weg zum Rifugio. Über die Zustiegszeit gab es höchst unterschiedliche Angaben, zwischen 1 1/4 bis 3h… zumindest war der Zustieg halbwegs kurzweilig, da man immer wieder die Ausmaße der Schnee-Niederschläge in der Region bewundern konnte.






nach ca 1,5h hatten wir es aber geschafft und waren am Rifugio angekommen.

nachdem wir unser Nachtlager bezogen hatten wollte Uwe sich noch ein wenig die Beine vertreten, während ich mich aufs Ohr haute, da mir noch die Skitour vom Tag zuvor in den Beinen hing.

Am nächsten Morgen um 5:30h klingelte der Wecker und um 6:20h standen wir vor der Hütte auf Ski. Im windgeschützten Bereich war es schon gefühlt ordentlich warm.


das ändert sich allerdings bald, als wir ins Val Mera kamen und der Wind durch die natürlichen Geländeeinkerbungen pfiff und einen eiskalten Wind hinunter blies.



Das ganze wurde teilweise äußerst ungemütlich und vor uns kehrten bereits die ersten Tourengeher wieder um. Kurzzeitige Erheiterung trat ein, als zwei Tourengeher synchron von einer Wind-Böe umgeworfen wurden.  Aber unser Spaß dauerte nicht lange, nagelte der Wind uns doch den Schnee ins Gesicht.


als wir Richtung Norden abbogen beruhigte sich der Wind etwas, nur um dann unterhalb einer steilen Rampe wieder umso heftiger zuzunehmen. Hier verfluchte ich endgültig, dass ich nur die dünnen Handschuhe dabei hatte.



für die Rampe empfahl es sich auf die Steigeisen zu wechseln, da der Untergrund entweder pickelhart oder mit einer dünnen Schicht aus groben Gries eingeweht war. Aufgrund des Winds hatten wir vorher noch versucht, ob es nicht auch auf Ski geht, aber sobald es steiler wurde, war im wahrsten Sinne des Wortes Ende im Gelände.


aufgrund des Windes und abfrierender Finger spurtete ich die Rinne relativ schnell hoch, nur um festzustellen, dass es oben keinen Deut besser ist, was die Schneefahne am Corn da Camp eindeutig bewies.

Im Hintergrund konnte man aber schon mal ein potentielles Tagesziel erkennen, den Piz Paradisin.


wir hatten uns vor der Tour nicht eindeutig auf ein Ziel festgelegt, hat es doch oben zwei potentielle Gipfel und eine Scharte dazwischen, die ebenfalls die Abfahrtsroute beschrieb.

nachdem ich oben war, wartete ich bereits wieder mit Skiern an den Füssen schnatternd auf Uwe, der jedoch nicht kam. Da ich mir irgendwann leichte Sorgen machte, ging ich über einen Rücken wieder einige Höhenmeter runter, so dass ich in die Rinne schauen konnte, als genau in dem Moment Uwe hoch kam, der wohl technische Probleme hatte.  Nach kurzem Blickkontakt machte ich Uwe klar, dass mir scheissenkalt war und ich in die Sonne wollte, sofern bei ihm alles klar ist. Uwe nickte ab und so stapfte ich auch wieder hoch, um schnellen Schrittes in die Sonne zu kommen.

Satan Änne, selten war ich so froh wieder in die Sonne zu kommen und allmählich kam auch erst der Schmerz zurück in die Finger und anschliessend so etwas wie Gefühl. Mal wieder ein Beweis, dass man in den Bergen für alle Eventualitäten gerüstet sein sollte und nicht nur ein paar dünne Softshell-Handschuhe mitnehmen sollte.

In der Sonne und etwas windgeschützter lies es sich dann auch deutlich angenehmer warten als zuvor.


und man konnte schon ein bißchen die tolle Umgebung genießen. z.b. den Piz Paradisin.


im Hintergrund z.b. den Piz Palü


und auch Uwe kam zusehends näher



so dass ich mich weiter auf den Weg Richtung Scharte machte.

der Blick zurück über das Hochplateau Vedreit da Camp


in der Scharte selber öffnete sich der Blick Richtung Italien nach Süden und auf das Tal in dem das Rifugio Saoseo liegt.

durch die Scharte sollte es dann zurück gehen, allerdings war der Einstieg noch komplett durchgefroren, so dass wir theoretisch guten Gewissens noch etwas Zeit in Reserve hatten.

auch Uwe war kurz darauf da



und wir beratschlagten, was wir machen könnten. Die Rinne war trotz südseitiger Exposition noch gefroren und der Corn da Camp im Westen sah zwar ambitioniert, aber nicht unmachbar aus. Allerdings liessen uns die Schneefahnen dankend davon Abstand nehmen, so dass wir weiter Richtung Piz Paradisin gingen.

Der Blick zurück zeigt noch mal die Scharte und den Corn da Camp


der Gipfel des Piz Paradisin schien nicht allzu weit entfernt und je näher man kam, umso machbarer sah er auch aus. Aber wie das oft so ist, man unterschätzt die Entfernung doch manchmal, zumal man auf 3000m und nach 4h auch nicht mehr so ganz schnell unterwegs ist.

Uwe entschied sich auf einem Rücken, der zum Gipfel führte zu rasten und sich in die Sonne zu setzen, während ich weiter zum Gipfel wollte. Er schien so nah und Uwe hätte mich die ganze Zeit im Blickfeld gehabt. Wir machten vorher eine fixe Uhrzeit aus, an der ich definitiv umkehren würde, damit wir nicht in großer Lawinengefahr die Südflanke runter müssen.


da der Rücken hart gefroren und abgeblasen war entschied ich bald wieder auf Steigeisen zu wechseln, da ich so deutlich schneller und sicherer unterwegs gewesen wäre, als mit Ski, den so allmählich wurde das Gelände so, dass ein Sturz oder Ausrutschen zumindest schmerzhaft gewesen wäre, auch wenn das Weitwinkel etwas anderes suggeriert. 


kurz unterhalb des Gipfelgrats bei den Felsen querte ich in den Hang, da die Schneeverhältnisse dort für mich am einfachsten aussahen, aber schnell merkte ich, dass der Schnee immer tiefer wurde.

ich kam nur noch unendlich langsam Meter für Meter voran und die Umkehrzeit kam gnadenlos näher. Kurze Zeit später kam dann auch die Einsicht, dass ich es pünktlich niemals schaffen werde und der Rückweg lag ja auch noch vor mir. Den Gipfel vor Augen hiess es dann wieder die Ski anzuschnallen.


und zurück zu Uwe abzufahren. Dabei deutet sich schon an, was uns die nächsten 1350hm erwarten würde, Bruchharsch vom allerfeinsten! 


zusammen machten wir uns auf den Weg zur Scharte


es stellte sich glücklicherweise heraus, dass wir den Zeitpunkt gut gewählt hatten, der Schnee war etwas weich, aber noch stabil – zumindest bis zum nächsten Stück Bruchharsch. Theoretisch hätten wir dann eine traumhafte 1000hm Südflanke gehabt, aber der Schnee liess wenig Genuss aufkommen. Zwischen Fluchen und Gewürge bahnten wir uns den Weg nach unten. Zwischenzeitlich kam wir in einen Bereich mit schön fahrbaren Sulz und freuten uns bereits, bis das nächsten Teilstück Bruchharsch kam.

zurück am Rifugio hiess es dann sich erst einmal zu stärken und den Rest des Tages wurde einfach nur gegammelt. Ist auch mal schön, wenn man nichts hat, was einen ablenken kann (nicht mal Internet) und man sich einfach dem Müßiggang hingeben kann.

Für den nächsten Tag hatten wir uns eine teilweise eher nordseitig Tour ausgesucht, in der Hoffnung wenigstens etwas weichen Schnee zu finden. So liessen wir es morgens auch etwas gemächlicher angehen und waren eher spät beim Frühstück. Im Aufstieg ein wenig im Schnee gestochert liess uns zumindest hoffen, noch passablen Schnee zu finden.


ein Blick zurück ins Tal offenbarte uns dann auch unsere Abfahrtsroute vom Tag zuvor zwischen dem Corn da Camp und dem Piz Paradisin in der rechten Bild-Mitte.



die Schulter zwischen Pass da Sach und Scima da Saoseo bot ein fantastischen Blick Richtung Italien


allerdings auch die Ernüchterung, dass die folgenden Südhänge Richtung Gipfel ebenfalls bzgl Schneequalität nicht dolle aussahen. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit und der Tatsache, dass es Richtung Gipfel noch ein weiter Weg wäre, haben wir uns entschlossen direkt in die Nordhänge abzufahren. Der anfänglichen Freude über weichen Schnee kam die prompte Enttäuschung als ich mich auf einer harten Schneeplatte auf die Schnauze legte. Genauso war auch die weitere Abfahrt, stellenweise weicher, nett zu fahrender Schnee und dann zwischen durch immer wieder ohne merkliche Vorankündigung übelster Bruchharsch. Ich war dann nicht ganz unfroh wieder am Rifugio zu sein. Die massenhaft einfallenden Italiener, die den sonnigen Tag für einen Ausflug nutzten, haben uns dann jedoch schnell dazu bewogen unsere Sachen einzupacken und gen Auto abzufahren.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Rifugio Saoseo eine nette, schnuckelige Unterkunft ist. Das Hüttenpersonal und Wirt Bruno sind extrem freundlich ohne aufgesetzt zu wirken und sehr entspannt. Hektik ist dort ein absolutes Fremdwort und das überträgt sich auch ein wenig auf die Gäste. Auf einigen Hütten der Nordalpen kommt es ja im Schuhraum bereits zu ersten Prügeleien, damit ja jeder als erster draußen ist.  Das Essen ist ebenfalls üppig und sehr lecker, mit leicht italienischen Einschlag. Tourenmäßig kann man sich dort sicherlich bei gutem Schnee eine ganze Woche austoben, das Gelände ist sehr weitläufig und von einfachen Hängen bis steilen Couloirs ist alles vorhanden. An beiden Tourentagen sind wir eigentlich nur im unteren Zustieg jeweils einer anderen Gruppe begegnet, ansonsten waren wir komplett für uns, d.h. es kommt auch kein Stress auf, dass einem jemand die Line bzw den Bruchharsch klaut 

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