Archiv der Kategorie: Skitouren

Verborgenes Kar – mit Gewalt geht alles!

boah, man sollte nie ohne zu hinterfragen mit auf ne Tour gehen. Ist nicht viel ham se gesagt, nur 1200hm und nen kleiner Talhatscher… ham se gesagt…. am Ende waren es dann 2032hm, 25km Strecke und 10h unterwegs gewesen.  

als erstes gings von Kaisers ins Almajurtal

über die Aufstiegsspur gab es widersprüchliche Angaben, wir nahmen natürlich direkt die falsche, d.h. 200hm und 5km Umweg extra  

als wir es dann endlich irgendwann mal hatten, ging es auf dem rechten Weg und endlich gewannen wir an Höhe… die Distanzen blieben trotzdem groß


Am Grat der Bacherspitze war ich dann schon etwas angeklingelt und essens-technisch brachte ich nichts durch den Hals. Die Notreserve Redbull brachte mich aber wieder halbwegs aufs Pferd.

es folgte eine steile Rinne, die jemand vorher schon dankenswerterweise ausgeräumt hatte und so konnten wir recht komfortabel hochsteigen



über einen leichten Grat ging es unschwierig weiter zum Bacheregg




von dort sah man bereits den nächsten Gegenanstieg im verborgenen Kar


aber erst mal ging es wieder 200hm abwärts


kurz noch mal ein Blick zurück auf die Abfahrtsspuren


und dann ging es wieder bergauf



durch das verborgene Kar ging es wieder zurück ins Almajurtal, aus dem wir wieder ca 8km zum Auto zurück laufen durften

die Landschaft war grandios, es war einsam und ein kleines Abenteuer, aber so eine Gewalttour muss ich so schnell nicht wieder haben. Zumal der Schnee im verborgenen Kar auch nicht mehr so toll war, da die Leute wohl maßenhaft von der Valluga rüberkommen, abfahren und ins Kar gehen und wieder über die Valluga verschwinden. Aus dem Almajurtal gab es außer unseren Spuren sonst nämliche keine. Könnte an dem kleinen Talhatscher liegen…

Alpgundkopf – oder ein Narrenhaus

auf der Suche nach frischem Powder hatte es Stefan, Moritz und mich heute wieder ins Kleinwalsertal verschlagen.

Wir wollten über das Skigebiet Kanzelwand abfahren und zum gegenüber liegenden Alpgundkopf aufsteigen.

Die erste Prügelei gab es fast an der Parkuhr als jemand die versammelte Schlange vor der selbigen mit dem Kommentar „weg do, ich habsch eilig!“ überholte und versuchte sich vorzudrängeln.

Auf dem weg zur Kasse der Fellhorn-Bahn gab dann erstmal ein Paar Ski an den Helm – Gottseidank hatte ich diesen bereits auf und nicht am Rucksack!

Nach endloser Warterei an der Kasse gab den nächsten Schock. Trotz anders lautender telefonischer Auskunft gibt es angeblich keinen Touren-Karte für die Lifte bis zur Kanzelwand. Nachdem meine Laune nicht besser wurde verwies man mich an die Info und dort stellte man uns ohne mit der Wimper zu zucken direkt die Liftkarten zur Kanzelwand aus. Warum nicht gleich so?!

 

es handelte sich allerdings nicht um die üblichen Magnet-Karten, sondern Papier-Billets, die wir vorzeigen sollten – die Liftler wüssten schon Bescheid. Aha…

An der Fellhorn-Bahn ging alles klar aber am Lift zur Kanzelwand fing dann die Diskussion an. Um es abzukürzen, irgendwann schnauzte uns der Liftler mit einem: „ach macht doch was Ihr wollt!“ an.

Endlich oben an der Kanzelwand und wir waren heilfroh die Ski an die Rucksäcke schnallen und aufsteigen zu dürfen, um dem Trubel dieses Ski-Narrenhauses zu entfliehen.

Die erste Abfahrt erfolgte über die offenen Hänge der Rossgundalpe


man kreuzt im Tal kurz die Hänge des Kühgund und dann geht es auch direkt wieder bergauf, durch mehr oder minder lichten Birkenwald


auf ideal geneigten Hängen gewinnt man jedoch schnell an Höhe




irgendwann steilt das Gelände dann etwas auf


und man erspäht die Scharte zwischen Alpgundkopf und Rossgundkopf



in der Scharte wendet man sich dann nach Nord-Osten und schaut wie weit man kommt



im Nord-Westen sieht man den Fiderepass inkl gleichnamiger Hütte


die Abfahrt durch den gesetzten Powder und den lichten Birkenwald war dann echt genial






so „leicht“ zu erschließen die Tour bisher war, der Haken kommt natürlich immer am Schluss. Das herausschieben aus dem Warmatsgundtal ist ein richtiger Scheiß!!! Fast anstrengender als die ganze Tour vorher 

Gamsfuss – entschleunigt

Tja, mit der Entschleunigung ist da so eine Sache. Manchmal ist sie gewollt, um der geplagten Seele etwas Freilauf zu gönnen und manchmal ist sie auch ungewollt.

Heute war bei uns zuerst zweiteres der Fall. Der Plan war von Baad auf das Grünhorn zu steigen, allerdings versperrte uns ein großes rot-weißes Schild mit höchst offiziellem Anstrich den Weg ins Dura-Tal und plärrte uns „Hier ist gesperrt wegen Lawinengefahr, verzieht Euch oder das kostet 2000€ wenns erwischt werdet“ an. Wir standen weitere 5 Minuten vor dem Schild und erörterten, ob man den Kontext auch irgendwie anders interpretieren kann… konnte man aber irgendwie nicht so direkt. Also überlegten wir, was man mit Ski und Schuh an den Füßen sonst noch so für Optionen hat und entschieden uns für den Gamsfuss, welcher gleich ums Eck liegt. Wir entschleunigten uns abermals, denn auch zum Eingang des Bärgunt-Tales stand so ein verf….es Schild. Moritz klärte die Lage, in dem er meinte:“Das ist mir jetzt egal!“ Und wir trabten ins Bärgunt-Tal. An der Abzweigung Panorama-Weg und Winterweg zur Bärgunt-Alpe stand noch so ein Schild, allerdings wies es nur den Panorama-Weg explizit als gesperrt aus – na also, da ist doch der erhoffte Spielraum. Weiter gings also auf dem Winterweg, welcher bisher nur die Spuren eines einzelnen Wanderers von gestern aufwies. Ab der Hütte mussten wir dann selber spuren.

Hier traf uns die Entschleunigung erneut und wir wurden sie so schnell nicht wieder los. Der Schnee war immer noch tiefer als vermutet und wir hatten eigentlich gedacht, dass wir an einer fremden Spur lutschen könnten, aber nixda. Der LLB sprach von einer Einsinktiefe von 25-50cm, welche man unterschreiben könnte.

je steiler es wurde, umso tiefer auch die Einsinktiefe… 


Nun ja, irgendwann hatten wir uns mit dem Umstand abgefunden und ackerten langsam aufwärts. Die Betonung liegt auf langsam. Für 600hm benötigten wir dann fast 3,5h  Hat man sich damit jedoch erst einmal abgefunden, kann man auch einfach mal die Gedanken fliegen lassen und sich der schönen Umgebung widmen, in der man immer wieder Anreize für neue Projekte fand.



böse Geister würden sagen, die Pausen waren die Zeit zwischen dem Abkotzen, aber da hört sich so unschön an, bleiben wir lieber bei Entschleunigung und Kontemplation.

Stück für Stück schraubten wir uns durch den Wald nach oben

bis die Flächen weiter und baumloser wurden, allerdings wurde der Schnee auch noch mal tiefer… 

zum Gipfel bzw dem Gamsfuss, einem Rücken unterhalb des Gamskopf waren es noch pimaldaumen 200hm. Allerdings hätten wir dafür einen steilen Hang queren und aufsteigen müssen und es waren die ersten Zeichen von Windeinfluss zu sehen. Da es gestern noch eine 4 hatte und heute eine 3 blieben wir mal auf der defensiven Seite und entschieden und dafür auf einem vorgelagerten Hügel Gipfelrast zu machen. Wir bauten uns ein Bänklein und genossen die grandiose Aussicht auf den großen Widderstein


jetzt konnte man die Entschleunigung endlich genießen auch wenn man 3,5h für läppische 600hm benötigt hat. Es hatte trotzdem alles irgendwie einen Sinn.

die Abfahrt war dann ähnlich entschleunigt und unspektakulär! Der Schnee war zu tief und das Gelände zu flach. Die meiste Zeit schoben wir einfach einen Haufen Schnee vor uns her. Ein paar Turns konnte man trotzdem setzen…



Aber da wir mittlerweile mental so dermaßen entschleunigt und ausgeglichen waren, war auch das wurscht.

Zu unserer großen Überraschung hatte die Bärgunt-Alpe mittlerweile die Türen geöffnet und es waren auch reichlich Leute, die draußen in der Sonne lagen. So konnte es uns auch nicht aus der Ruhe bringen, dass wir von jedem zweiten gefragt wurden, „ob da oben Lawinen sind?“.  Man grinst und lächelt… wie die Asiaten…

da wir heute ein gutes Karma hatten, war der Winterweg mittlerweile geräumt und wir konnten problemlos bis Baad abfahren. Wir hatten uns schon ausgemalt, den ganzen Weg wieder rauslaufen zu müssen.

Fluela Pass

Nachdem der Frühling mit Unterbrechungen aber doch unaufhörlich voran schreitet, wollten wir die Skisaison mit einer würdigen Tour ausklingen lassen.

Nach allerlei Hin- und Her bzgl der Destination entschieden wir uns für den Flüelapass bei Davos in Graubünden. Zu dritt machten wir uns Donnerstag Abend auf den Weg von Augsburg um noch zwei Freunde vor Ort zu treffen. Eigentlich wollten wir im Tschuggenhaus am Flüelapass übernachten, welches jedoch noch nicht geöffnet hatte und auch das Flüela Hospiz war auch noch zu. Während uns schon eine kleine Enttäuschung ins Gesicht geschrieben war, stachelt dies unsere Organisationstalent Peter nur noch mehr an. Zwei Telefonate später und wir konnten in einem noch geschlossenen Hotel übernachten, welches ja eigentlich gar nicht offen hat, wie uns die Chefin auch mehrfach und deutlich mitteilen musste – Peter hatte sie wohl breit gequatscht 

Da das Hotel noch geschlossen hatte, gab es abends nur noch Flüssignahrung in Form einiger Stangen Bier. Da Peter auch hier ein herzliches und mitreißendes Gemüt hat, wurden es dann auch ein paar mehr als geplant. Als der Wecker um 4:30h klingelte, habe ich dann doch das eine oder andere Bier verflucht – aber nützt ja nix. Am Flüelapass erwartete uns dann dickes Schneetreiben in horizontaler Form. Na Prost Mahlzeit, der Wetterbericht hatte eigentlich passables Wetter mit geringer Niederschlagswahrscheinlichkeit vorhergesagt. Nun fiel auch noch einem Kollegen auf, dass seine Jacke noch im Hotel lag. Also wieder zurück, aber was tun, wenn das Hotel morgen um 5:30h noch abgeschlossen ist und keiner den Schlüssel dabei hat? Auch hier wusste Peter mal wieder Rat und Tat. Ein Schneeball in ein offenes Fenster und 20 Sekunden später war die Haustüre offen. Wie er die Dame beruhigt hat entschließt sich unserer Kenntnis 

wieder hoch zum Pass, der Schneefall hatte mittlerweile aufgehört und irgendwann waren wir dann auch vom Wagerhus aus unterwegs auf Ski, um die Wäschchuchi Rundtour zu beginnen. Tourenbeschreibung http://www.hikr.org/tour/post49586.html

hier rächten sich dann die paar Bier zuviel am Vorabend. Ich quälte mich mit leichtem Kater und üblem Geschmack im Mund den Berg hoch, aber wir kamen trotzdem gut voran, wie man am Blick zurück erkennen kann. Das Wetter hielt sich immer noch bedeckt, passte aber perfekt zu meiner alkohol-geplagten Gemütslage.

Nach knapp einer Stunde hatten wir auch schon die Winterlücke erreicht, welche der Übergang zum Wisshorn ist


nach knapp 2h waren wir auch bereits am Skidepot in einer Scharte unterhalb des Wisshorns.


eigentlich hatte ich mich sehr auf den markanten Gipfel gefreut und der noch mal gute 100hm über dem Skidepot zu sehen war. Allerdings war der eigentlich unschwierige Aufstieg stellenweise weich und dann wieder hart und glatt und man ahnt es schon, die Steigeisen lagen zuhause 

wir entschieden uns dann gemeinsam, dass der Gipfel noch ein mal warten muss. Das war schade aber die Entscheidung im Endeffekt sicher richtig.

dafür wurden wir in der Abfahrt vom Skidepot zum Jörisee dann mit schönen 20cm Powder entschädigt, die unten allerdings zunehmend schwerer wurden. Am Jörisee gab es dann eine ausgedenhte Brotzeit, bevor es in den finalen Auftstieg zur Jörifurgga zurück Richtung Passstrasse ging.

den Übergang sieht man im linken Teil des Bildes oberhalb des ganz linken Felsriegels.


im Aufstieg sagte es dann kurz knack und mein Stock schob sich komplett zusammen, was ich aufs erste auch nicht beheben konnte. Wenn man schon ziemlich platt ist, dann läuft es sich mit einem Stock etwas unrund, passte aber irgendwie ins Bild dieses Tages.

hatten wird nordseitig noch schönen Powder bzw weichen Schnee, so fanden wir nach dem Durchstieg der Jörifurgga allerfeinsten Bruchharsch vor. Irgendwie hatten wir heute ein Sch… Charma erwischt. Aber es ist wie es ist…


weiter unten wurde der Schnee dann wieder weich und es ging in schönem Gelände zurück zur Passstrasse.


natürlich brach sich ein Kollege in der Abfahrt seinen Skistock auch noch ab…. 

insgesamt war es am ersten Tag eine tolle Tour, aber alles unter suboptimalen Bedingungen, die sich komplett durch den Tag zogen.

Als wir zurück in Davos mittags unser „Feierabend“-Bierchen genossen, machte dann endlich der Himmel auf und die Sonne zeigte sich. War ja klar! Für den zerbrochenen Stock organisierte Peter innerhalb kürzester Zeit Ersatz und auch ich bekam meinen Stock wieder fit.

 

Aufgrund der Wettervorhersage entschlossen wir uns am nächsten Tag noch mal früher aufzustehen und so standen wir am zweiten Tag schon um kurz nach 5:00h oben am Pass beim Flüela-Hospiz. Der Himmel war immer noch klar und der Schnee war nachts durch die Abstrahlung fest durchgefroren, so dass wir an diesem Tag immer mal wieder die Harscheisen zur Hilfe ziehen mussten. Aber das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt, wir waren vor allen anderen auf den Ski und konnten einen genialen Sonnenaufgang beobachten, während wir zunehmend an Höhe gewannen.


völlig alleine und in tollem Gelände folgten wir dem Aufstieg zum Schwarzhorn.

weiter unten sah man dann die ersten „Nachzügler“


Stefan legte dann ein paar Briketts im Aufstieg nach, da er befürchtete, dass der Schnee zu schnell auffirnt bzw weich wird.

bald sah man auch schon die Lücke zwischen Rot- und Schwarzhorn


unten am Einstieg zum Gipfelgrat wurde es noch mal kurz etwas steiler, aber mit Harscheisen war es völlig problemlos.


über einen schön geneigten Rücken ging es dann Richtung Gipfel


welcher ein tolles Panorama freigab


oben präsentierte sich der Gipfelhang in der Abfahrt noch hart, aber spätestens nach der Steilstufe firnte der Schnee wunderbar auf und wir fuhren einige hundert Hm in tollem kupierten Gelände ab. Das Grinsen in den Gesichtern wurde immer breiter!



um zu unserem Schlusshang zu kommen, mussten wir noch mal 300hm aufsteigen, was bei dem zunehmend weicher werdenden Schnee und der Sonne eine schweißtreibende Angelegenheit wurde


im letzten Hang war der Schnee schon weich, aber immer noch toll fahrbar! Es hatte sich absolut bezahlt gemacht, noch mal früher als am Tag zuvor zu starten.

Tourenbeschreibung: http://www.hikr.org/tour/post50137.html

der zweite Tag war somit der totale Kontrast zum ersten Tag. Super Wetter, alles lief glatt und wir hatten besten Schnee in der Abfahrt.

Als wir unten am Auto waren, jubelten wir über den genialen Saisonabschluss, aber wir waren alle der Meinung, dass dafür eigentlich noch viel zu viel Schnee liegt. Evt geht sich ja noch was aus…. 

Rifugio Saoeso

Das Rifugio Saoseo befindet sich am Bernina-Pass in Graubünden ziemlich nah zur italienischen Grenze. Nachdem ich am Donnerstag Abend noch einige Hütten und Hospize in der Ecke angerufen hatte, aber alle nur wegen Überfüllung abgewunken haben, war das Rifugio Saoseo die letzte Hoffnung und siehe da, sie hatten noch locker zwei Plätze frei. http://www.saoseo.ch/de/die-huette

Die Anreise am Freitag verlief unspektakulär, außer dass wir kurz den Bernina-Pass mit dem San Bernadino Pass verwechselten, aber klingt ja auch alles so ähnlich. Den Zielort Sfazu hätten wir auch fast übersehen, besteht er doch primär aus zwei Häusern. 

Nach dem der Parkplatz gefunden und die Rucksäcke gepackt waren, begaben wir uns auf den Weg zum Rifugio. Über die Zustiegszeit gab es höchst unterschiedliche Angaben, zwischen 1 1/4 bis 3h… zumindest war der Zustieg halbwegs kurzweilig, da man immer wieder die Ausmaße der Schnee-Niederschläge in der Region bewundern konnte.






nach ca 1,5h hatten wir es aber geschafft und waren am Rifugio angekommen.

nachdem wir unser Nachtlager bezogen hatten wollte Uwe sich noch ein wenig die Beine vertreten, während ich mich aufs Ohr haute, da mir noch die Skitour vom Tag zuvor in den Beinen hing.

Am nächsten Morgen um 5:30h klingelte der Wecker und um 6:20h standen wir vor der Hütte auf Ski. Im windgeschützten Bereich war es schon gefühlt ordentlich warm.


das ändert sich allerdings bald, als wir ins Val Mera kamen und der Wind durch die natürlichen Geländeeinkerbungen pfiff und einen eiskalten Wind hinunter blies.



Das ganze wurde teilweise äußerst ungemütlich und vor uns kehrten bereits die ersten Tourengeher wieder um. Kurzzeitige Erheiterung trat ein, als zwei Tourengeher synchron von einer Wind-Böe umgeworfen wurden.  Aber unser Spaß dauerte nicht lange, nagelte der Wind uns doch den Schnee ins Gesicht.


als wir Richtung Norden abbogen beruhigte sich der Wind etwas, nur um dann unterhalb einer steilen Rampe wieder umso heftiger zuzunehmen. Hier verfluchte ich endgültig, dass ich nur die dünnen Handschuhe dabei hatte.



für die Rampe empfahl es sich auf die Steigeisen zu wechseln, da der Untergrund entweder pickelhart oder mit einer dünnen Schicht aus groben Gries eingeweht war. Aufgrund des Winds hatten wir vorher noch versucht, ob es nicht auch auf Ski geht, aber sobald es steiler wurde, war im wahrsten Sinne des Wortes Ende im Gelände.


aufgrund des Windes und abfrierender Finger spurtete ich die Rinne relativ schnell hoch, nur um festzustellen, dass es oben keinen Deut besser ist, was die Schneefahne am Corn da Camp eindeutig bewies.

Im Hintergrund konnte man aber schon mal ein potentielles Tagesziel erkennen, den Piz Paradisin.


wir hatten uns vor der Tour nicht eindeutig auf ein Ziel festgelegt, hat es doch oben zwei potentielle Gipfel und eine Scharte dazwischen, die ebenfalls die Abfahrtsroute beschrieb.

nachdem ich oben war, wartete ich bereits wieder mit Skiern an den Füssen schnatternd auf Uwe, der jedoch nicht kam. Da ich mir irgendwann leichte Sorgen machte, ging ich über einen Rücken wieder einige Höhenmeter runter, so dass ich in die Rinne schauen konnte, als genau in dem Moment Uwe hoch kam, der wohl technische Probleme hatte.  Nach kurzem Blickkontakt machte ich Uwe klar, dass mir scheissenkalt war und ich in die Sonne wollte, sofern bei ihm alles klar ist. Uwe nickte ab und so stapfte ich auch wieder hoch, um schnellen Schrittes in die Sonne zu kommen.

Satan Änne, selten war ich so froh wieder in die Sonne zu kommen und allmählich kam auch erst der Schmerz zurück in die Finger und anschliessend so etwas wie Gefühl. Mal wieder ein Beweis, dass man in den Bergen für alle Eventualitäten gerüstet sein sollte und nicht nur ein paar dünne Softshell-Handschuhe mitnehmen sollte.

In der Sonne und etwas windgeschützter lies es sich dann auch deutlich angenehmer warten als zuvor.


und man konnte schon ein bißchen die tolle Umgebung genießen. z.b. den Piz Paradisin.


im Hintergrund z.b. den Piz Palü


und auch Uwe kam zusehends näher



so dass ich mich weiter auf den Weg Richtung Scharte machte.

der Blick zurück über das Hochplateau Vedreit da Camp


in der Scharte selber öffnete sich der Blick Richtung Italien nach Süden und auf das Tal in dem das Rifugio Saoseo liegt.

durch die Scharte sollte es dann zurück gehen, allerdings war der Einstieg noch komplett durchgefroren, so dass wir theoretisch guten Gewissens noch etwas Zeit in Reserve hatten.

auch Uwe war kurz darauf da



und wir beratschlagten, was wir machen könnten. Die Rinne war trotz südseitiger Exposition noch gefroren und der Corn da Camp im Westen sah zwar ambitioniert, aber nicht unmachbar aus. Allerdings liessen uns die Schneefahnen dankend davon Abstand nehmen, so dass wir weiter Richtung Piz Paradisin gingen.

Der Blick zurück zeigt noch mal die Scharte und den Corn da Camp


der Gipfel des Piz Paradisin schien nicht allzu weit entfernt und je näher man kam, umso machbarer sah er auch aus. Aber wie das oft so ist, man unterschätzt die Entfernung doch manchmal, zumal man auf 3000m und nach 4h auch nicht mehr so ganz schnell unterwegs ist.

Uwe entschied sich auf einem Rücken, der zum Gipfel führte zu rasten und sich in die Sonne zu setzen, während ich weiter zum Gipfel wollte. Er schien so nah und Uwe hätte mich die ganze Zeit im Blickfeld gehabt. Wir machten vorher eine fixe Uhrzeit aus, an der ich definitiv umkehren würde, damit wir nicht in großer Lawinengefahr die Südflanke runter müssen.


da der Rücken hart gefroren und abgeblasen war entschied ich bald wieder auf Steigeisen zu wechseln, da ich so deutlich schneller und sicherer unterwegs gewesen wäre, als mit Ski, den so allmählich wurde das Gelände so, dass ein Sturz oder Ausrutschen zumindest schmerzhaft gewesen wäre, auch wenn das Weitwinkel etwas anderes suggeriert. 


kurz unterhalb des Gipfelgrats bei den Felsen querte ich in den Hang, da die Schneeverhältnisse dort für mich am einfachsten aussahen, aber schnell merkte ich, dass der Schnee immer tiefer wurde.

ich kam nur noch unendlich langsam Meter für Meter voran und die Umkehrzeit kam gnadenlos näher. Kurze Zeit später kam dann auch die Einsicht, dass ich es pünktlich niemals schaffen werde und der Rückweg lag ja auch noch vor mir. Den Gipfel vor Augen hiess es dann wieder die Ski anzuschnallen.


und zurück zu Uwe abzufahren. Dabei deutet sich schon an, was uns die nächsten 1350hm erwarten würde, Bruchharsch vom allerfeinsten! 


zusammen machten wir uns auf den Weg zur Scharte


es stellte sich glücklicherweise heraus, dass wir den Zeitpunkt gut gewählt hatten, der Schnee war etwas weich, aber noch stabil – zumindest bis zum nächsten Stück Bruchharsch. Theoretisch hätten wir dann eine traumhafte 1000hm Südflanke gehabt, aber der Schnee liess wenig Genuss aufkommen. Zwischen Fluchen und Gewürge bahnten wir uns den Weg nach unten. Zwischenzeitlich kam wir in einen Bereich mit schön fahrbaren Sulz und freuten uns bereits, bis das nächsten Teilstück Bruchharsch kam.

zurück am Rifugio hiess es dann sich erst einmal zu stärken und den Rest des Tages wurde einfach nur gegammelt. Ist auch mal schön, wenn man nichts hat, was einen ablenken kann (nicht mal Internet) und man sich einfach dem Müßiggang hingeben kann.

Für den nächsten Tag hatten wir uns eine teilweise eher nordseitig Tour ausgesucht, in der Hoffnung wenigstens etwas weichen Schnee zu finden. So liessen wir es morgens auch etwas gemächlicher angehen und waren eher spät beim Frühstück. Im Aufstieg ein wenig im Schnee gestochert liess uns zumindest hoffen, noch passablen Schnee zu finden.


ein Blick zurück ins Tal offenbarte uns dann auch unsere Abfahrtsroute vom Tag zuvor zwischen dem Corn da Camp und dem Piz Paradisin in der rechten Bild-Mitte.



die Schulter zwischen Pass da Sach und Scima da Saoseo bot ein fantastischen Blick Richtung Italien


allerdings auch die Ernüchterung, dass die folgenden Südhänge Richtung Gipfel ebenfalls bzgl Schneequalität nicht dolle aussahen. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit und der Tatsache, dass es Richtung Gipfel noch ein weiter Weg wäre, haben wir uns entschlossen direkt in die Nordhänge abzufahren. Der anfänglichen Freude über weichen Schnee kam die prompte Enttäuschung als ich mich auf einer harten Schneeplatte auf die Schnauze legte. Genauso war auch die weitere Abfahrt, stellenweise weicher, nett zu fahrender Schnee und dann zwischen durch immer wieder ohne merkliche Vorankündigung übelster Bruchharsch. Ich war dann nicht ganz unfroh wieder am Rifugio zu sein. Die massenhaft einfallenden Italiener, die den sonnigen Tag für einen Ausflug nutzten, haben uns dann jedoch schnell dazu bewogen unsere Sachen einzupacken und gen Auto abzufahren.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Rifugio Saoseo eine nette, schnuckelige Unterkunft ist. Das Hüttenpersonal und Wirt Bruno sind extrem freundlich ohne aufgesetzt zu wirken und sehr entspannt. Hektik ist dort ein absolutes Fremdwort und das überträgt sich auch ein wenig auf die Gäste. Auf einigen Hütten der Nordalpen kommt es ja im Schuhraum bereits zu ersten Prügeleien, damit ja jeder als erster draußen ist.  Das Essen ist ebenfalls üppig und sehr lecker, mit leicht italienischen Einschlag. Tourenmäßig kann man sich dort sicherlich bei gutem Schnee eine ganze Woche austoben, das Gelände ist sehr weitläufig und von einfachen Hängen bis steilen Couloirs ist alles vorhanden. An beiden Tourentagen sind wir eigentlich nur im unteren Zustieg jeweils einer anderen Gruppe begegnet, ansonsten waren wir komplett für uns, d.h. es kommt auch kein Stress auf, dass einem jemand die Line bzw den Bruchharsch klaut